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Klimaziel erfordert radikale Wende unserer Energieversorgung

27.11.2020

«Netto Null» Klimagase bis 2050: Die neuen Energieperspektiven zeigen, was es technisch braucht, um dieses Ziel zu erreichen. Alle Mitglieder des heutigen Bundesrats, der das Ziel «Netto Null» bis 2050 setzte, und die meisten Verfasser der präsentierten Energieperspektiven werden im Jahr 2050 nicht mehr im Amt sein. Sie tragen damit keine Verantwortung, falls die Schweiz das gesetzte Ziel verfehlen sollte. So besehen bleiben Klimaziel und Energieperspektiven ohne Gewähr. Das heisst allerdings nicht, dass die Schweiz nicht alles Mögliche unternehmen – oder unterlassen – soll, um die katastrophale Erderwärmung zu begrenzen.

Von Hanspeter Guggenbühl

«Die Hauptergebnisse der Energieperspektiven 2050+ liegen auf dem Tisch. Sie zeigen, dass die Schweiz ihre Energieversorgung bis 2050 klimaneutral umbauen und gleichzeitig die Energieversorgungssicherheit gewährleisten kann.» Mit dieser vollmundigen Ankündigung beginnt die Medienmitteilung, mit der das Bundesamt für Energie (BFE) gestern Donnerstag die neusten Energieszenarien präsentierte.

Szenarien zeigen, was es braucht, nicht was wird

Diese Szenarien zeigen allerdings nur, welche technologischen Wege die Schweiz in den nächsten 30 Jahren beschreiten müsste, um das bundesrätliche Ziel «Netto Null Treibhausgas-Emissionen» im Jahr 2050 zu erreichen. Ob Politik, Wirtschaft und Bevölkerung tatsächlich auf diesen Weg umschwenken, ist ungewiss. Denn der notwendige energetische Kurswechsel ist radikal – radikaler als die früheren Energieperspektiven aus dem Jahr 2012. Zusätzlich erschwert wird das Ziel durch die Faktoren Menge und Zeit.

So gehen die Szenarien von einem weiteren Wachstum der Bevölkerung, der Wirtschaft, des Verkehrs sowie der Menge an umbautem Raum und Energieanwendungen aus. Gleichzeitig läuft die Zeit davon. Denn das Zieljahr 2050 liegt heute näher als vor acht Jahren, als der Bund die vorherigen Energieperspektiven mit tieferen Anforderungen an die Energiewende präsentierte. Und über die Umlenkungs-Instrumente, die es braucht, um die klimaneutrale Schweiz zu verwirklichen, brütet die Wissenschaft und streiten politische Parteien und Wirtschaftsverbände weiterhin.

Die Versäumnisse der Schweizer Klimapolitik und die Anforderungen an die Energiewende hat Infosperber seit 2011 regelmässig analysiert (siehe Link am Schluss dieses Artikels) und wird es in Zukunft weiterhin tun. Heute beschränken wir uns darauf, einige wesentliche Informationen stichwortartig aus dem gestern veröffentlichten, 98-seitigen «Kurzbericht Energieperspektiven 2050» herauszupicken:

Die Wachstumsfaktoren bis 2050

Den Szenarien liegen bis 2050 folgende Wachstumserwartungen zu Grunde; dies immer im Vergleich zum Ausgangsjahr 2019: Die Bevölkerung in der Schweiz wird um 18 Prozent auf 10,3 Millionen Personen zunehmen. Doppelt so stark wie die Bevölkerung, nämlich um 38 Prozent, wächst im gleichen Zeitraum die Wirtschaft, gemessen am teuerungsbereinigten BIP. Die Energiebezugsfläche (beheizte und/oder gekühlte Flächen in Gebäuden) und der Personenverkehr nehmen um je 17 Prozent, der Güterverkehr um 28 Prozent zu.

Diese Annahmen gelten für alle Szenarien. Eine Wirtschaft, die in einem der reichsten Staaten der Welt nicht mehr weiter wächst, oder eine Gesellschaft, die ihren Konsum pro Kopf nicht mehr weiter steigert, sehen die Verfasserinnen ebenso wenig vor wie ein genügsameres Verhalten, also Suffizienz. Sie setzen allein auf heutige und künftige Technik.

Weitere Steigerung der Energieeffizienz nötig

Trotz Wirtschaftswachstum erwarten die Szenarienmacher von 2019 bis 2050 einen weiteren Rückgang des End-Energieverbrauchs, nämlich um insgesamt 31 Prozent beim Szenario «Netto Null Treibhausgase». Dabei gehen sie von einer weiter steigenden Energieeffizienz von Gebäuden, Motoren, industriellen Prozessen und Verkehrsmitteln aus. Der bisherige Trend müsste sich damit noch verstärken: Schon von 2000 bis 2019 hat der End-Energieverbrauch in der Schweiz dank Effizienzsteigerung um rund 18 Prozent abgenommen; dies allerdings nicht insgesamt, sondern pro Kopf der Bevölkerung.

Innerhalb des Energiekonsums rechnen die Szenario- Autorinnen mit einer massiven Verlagerung, nämlich weg von den fossilen Energieträgern Öl und Gas, die heute noch weit mehr als die Hälfte des Schweizer Energiekonsums decken, hin zur Elektrizität. Als Folge davon werde der Elektrizitätsverbrauch – trotz Effizienzsteigerung – bis 2050 stark zunehmen, nämlich um 45 Prozent. Ein Teil dieses Zuwachses beim Strom verursacht der prophezeite Umstieg auf Elektroautos und Elektro-Wärmepumpen, der andere Teil resultiert aus Energieverlusten durch Speichertechniken, insbesondere den Ausbau der Pumpspeicherung und die Umwandlung von Sommerstrom zu Wasserstoff.

Steile Zunahme der erneuerbaren Stromproduktion

Das klimapolitische Szenario «Netto Null» (im Bericht «Zero» genannt) und die damit verknüpfte Energiewende erfordern nicht nur einen Umstieg von Öl und Gas auf Elektrizität, sondern innerhalb der Elektrizität im Gefolge des Atomausstiegs auch einen Umstieg auf erneuerbare Stromproduktion. Und hier setzen die Szenarien Quantensprünge voraus, deren Gelingen höchst fraglich ist. Konkret:

  • Die Stromerzeugung aus Wasserkraft soll von 2019 bis 2050 um 18 Prozent auf jährlich 45 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) steigen, und dies, obwohl die meisten Gewässer in der Schweiz bereits verstromt werden. Diese Ausbaupläne in Form von zusätzlichem Stauseevolumen und zusätzlicher Pumpspeicherung stehen im Konflikt mit dem Naturschutz und stossen auf massiven Widerstand von Umweltorganisationen und zum Teil auch auf rechtliche Hürden. So hat das Bundesgericht am gleichen Tag, als das BFE seine neuen Energieperspektiven vorstellte, eine Einsprache gegen den Höherstau des Grimsel-Stausees teilweise gutgeheissen.
  • Die Stromerzeugung aus erneuerbarer Energie neben der Wasserkraft, insbesondere aus Solar- und Windkraft sowie Biomasse, soll in den nächsten 30 Jahren auf 39 Mrd. kWh und damit auf annähernd das Zehnfache gegenüber dem Stand von 2019 gesteigert werden. Das ist – gelinde gesagt – ehrgeizig, wenn man bedenkt, dass diese erneuerbare Stromproduktion aus Solarkraft plus erneuerbarem Kehricht trotz starker ideeller und finanzieller Förderung in den vergangenen 30 Jahren lediglich auf 4 Mrd. kWh gestiegen ist. Der massive Ausbau der Solarkraft-Nutzung mittels Fotovoltaik stellt aber nicht nur ein Mengen-, sondern auch ein Verteilproblem dar. Denn Fotovoltaikanlagen produzieren ihren Strom heute zu drei Vierteln im Sommerhalbjahr, während der Ausstieg aus der Atomenergie eine Versorgungslücke vor allem im Winterhalbjahr öffnet. Diese saisonale Kluft soll wie erwähnt durch einen massiven Ausbau der Stromspeicherung in Stauseen und mittels Umwandlung von Strom in Wasserstoff gestopft werden, was grosse energetische Verluste verursacht.


Treibhausgase «netto» heisst: Noch ein Viertel

Der Ausstoss der Treibhausgase soll netto auf null abnehmen, wobei die Szenarien den internationalen Flugverkehr ausschliessen. «Netto» bedeutet: Die Emissionen werden gegenüber heute auf einen Viertel und damit auf immer noch 12 Millionen Tonnen CO2-Aequivalent im Jahr 2050 sinken.

Diese 12 Millionen Tonnen CO2-Aequivalent (zu einem bedeutenden Anteil Methan aus der Landwirtschaft) wollen die Szenario-Verfasser mittels Aufforstung sowie Filtertechnik eliminieren. Solche Filterverfahren sind technisch zwar erprobt, aber ihr Beitrag zur CO2-Reduktion in der Atmosphäre bewegt sich heute im Bereich von weniger als einem Millionstel Promille. Ob der Ausbau dieser aufwendigen Technik genügend schnell voranschreitet, ist ebenfalls ungewiss.

Ziele und Szenarien ohne Gewähr

30 Jahre sind eine relativ kurze Zeit, um den Umstieg von der heute dominierenden fossilen auf erneuerbare Energie umzusetzen, ohne die Versorgungssicherheit und das Wachstum der Wirtschaft einzuschränken. Doch im Leben eines Menschen und einer Generation von Regierungsleuten sind 30 Jahre relativ lang. So werden alle Mitglieder des heutigen Bundesrats, der das Ziel «Netto Null» bis 2050 setzte, und die meisten Verfasser der hier präsentierten Energieperspektiven das Pensionsalter im Jahr 2050 erreicht haben und nicht mehr im Amt sein. Sie tragen damit keine Verantwortung, falls die Schweiz das gesetzte Ziel verfehlen sollte. So besehen bleiben Klimaziel und Energieperspektiven ohne Gewähr.

Das heisst allerdings nicht, dass die Schweiz nicht alles Mögliche unternehmen – oder unterlassen – soll, um die katastrophale Erderwärmung auf irgend einem Weg zu begrenzen.

Die Energiewende kommt – aber sie kommt zu spät

26.11.2020. Heute hat das Bundesamt für Energie erste Ergebnisse der neuen Energieperspektiven 2050+ präsentiert. Die gute Nachricht vorab: Die Energiewende ist möglich. Die Modellrechnungen zeigen, dass die Schweiz das Netto Null-Ziel erreichen kann. Die SES ist jedoch überzeugt, dass der anvisierte Zeitplan zu gemächlich ist. Es braucht mehr Tempo!

Anstatt mit dem Ausbau der neuen erneuerbaren Energien vorwärts zu machen, verschleppen die Modellierungen des Bundesamts für Energie diesen auf die Zeit nach 2035. Zwischen 2020 und 2035 sollen knapp 1 Terrawattstunde (TWh) pro Jahr und zwischen 2035 und 2050 1,5 TWh pro Jahr ausgebaut werden. Felix Nipkow, Leiter Fachbereich erneuerbare Energien bei der SES und Teil der Begleitgruppe der Energieperspektiven, beurteilt die Resultate wie folgt: «Wenn die Erderwärmung nicht über 1,5°C liegen soll und wir unsere Atomkraftwerke ersetzen wollen, müssen wir die Energieproduktion durch erneuerbare Energien im Inland viel schneller steigern. Die Schweiz verfügt über gute Voraussetzungen und die notwendigen Technologien dazu.»

Energieversorgung einheimisch und erneuerbar sicherstellen

Das Klima ist dabei nicht der einzige Aspekt, der Felix Nipkow zu denken gibt: «Die Energieperspektiven 2050+ zeigen bis 2035 eine steigende Abhängigkeit von Stromimporten. Das ist aber ausgerechnet die Zeit, in der auch unsere Nachbarländer ihre fossilen und nuklearen Kraftwerke abstellen.» Nipkow resümiert: «Mehr Tempo, das ist nicht nur fürs Klima notwendig, es hilft auch unserer Versorgungssicherheit – und der einheimischen Wirtschaft».

Vorwärts machen lohnt sich mehr

Die Energieperspektiven weisen Mehrinvestitionen von rund 8% gegenüber einem Weiter-wie-bisher-Szenario aus. Klimafolgeschäden und externe Kosten des Weiter-wie-bisher, aber auch Beschäftigungseffekte bei den Netto-Null-Szenarien, werden dabei allerdings nicht betrachtet. 14'000 neue Arbeitsplätze könnten alleine im Bereich der Photovoltaik geschaffen werden, zeigte jüngst die ZHAW in einer im Auftrag der SES publizierten Studie. «Es braucht eine gesamtvolkswirtschaftliche Betrachtung, sonst machen diese Zahlen wenig Sinn», kritisiert Felix Nipkow die Aufstellung. Eine solche stellt das Bundesamt für Energie immerhin für nächstes Jahr in Aussicht.

Ein klares Ja zum neuen CO2-Gesetz

Das neue CO2-Gesetz ist ein Schritt in die richtige Richtung. Ein möglichst deutliches Ja am 13. Juni 2021 bietet die besten Voraussetzungen für weiter-gehende Massnahmen gegen gefährliche Klimaerhitzung.

Die Erdöl-Lobby, unterstützt von der SVP, wir das Referen-dum gegen das neue CO₂-Gesetz am 12.01.2021 einreichen.

Die Autoverkäufer und die Ölindustrie, in deren Verbänden die SVP stark vertreten ist, begründen dies mit negativen Auswirkungen für den Mittelstand. In Wahrheit geht es um ihre eigenen Wirtschafts-interessen, die ihnen offenbar wichtiger sind als der Erhalt der Lebensgrund-lagen. Indem das neue CO₂-Gesetz wichtige Verursacher der Klimakrise wie den Flug- und Autoverkehr verteuert, trägt es zu globaler Klimagerechtigkeit bei.

Das Gesetz ist somit ein erster Schritt in die richtige Richtung. Es stellt die Weichen für wesentlich effektivere Klimaschutz-massnahmen. Als breite Allianz der Zivilgesellschaft werden wir uns in der Referendumsabstimmung und darüber hinaus für die Ziele des Pariser Klimaab-kommens entschieden engagieren!

NEIN zum Jagdgesetz

Die Stimmbevölkerung hat am 27. September das missratene Jagdgesetz abgelehnt. Pro Natura freut sich zusammen mit den anderen Umweltverbänden über dieses klare Bekenntnis zum Naturschutz.