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Keine Zeit fürs Klima: Moral im Zwiespalt

Richard David Precht trifft die Klimaaktivistin Luisa Neubauer. Sie sprechen über Moral, Krieg und Klima-schutz. Und darüber, wie man optimistisch bleibt in schweren Zeiten. Für viele junge Leute spielen moralische Werte heute eine deutlich wichtigere Rolle als für frühere Generationen. Moralische Anschauungen werden eng verbunden mit sozialem, ökologischem, ökonomischem und politischem Handeln. All dies findet sich in der Klimafrage wieder: Was ist eine gerechte Politik und welche Haltung sichert der Menschheit ihr Überleben?

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Greta Thunberg im Exklusiv-Interview

Greta Thunberg ist die Ikone der weltweiten Klimabewegung. 2018, im Alter von 15 Jahren, begann sie in Stockholm für mehr Klimaschutz zu streiken. Greta Thunberg bemängelt, dass die Klimakrise immer noch nicht als wirkliche Notlage behandelt werde. Die Corona-Pandemie habe gezeigt, dass dies durchaus möglich sei. Auch der Krieg dürfe nicht dafür sorgen, dass die Klimakrise aus dem Fokus gerät: „Jeder Krieg ist ein Desaster. Auf ganz vielen Ebenen. Aber wir müssen in der Lage sein, uns mit verschiede-nen Dingen zur selben Zeit zu beschäftigen.“

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Leben mit dem Klimawandel

Wenn wir ehrlich sind, haben wir den Kampf längst verloren: Wir werden den Klimawandel nicht mehr aufhalten und mit drastischen Umbrüchen leben müssen. Gert Scobel diskutiert mit Gästen.

Gift im Nationalpark: Streit blockiert PCB-Sanierung

04.11.2022

Seit Jahren ist der Gebirgsfluss Spöl mit giftigen Chemikalien verseucht. Doch passiert ist bisher wenig.

Von Daniela Gschweng im Infosperber

PCB, kurz für polychlorierte Biphenyle, zählen zu den gefährlichen Umweltgiften. Sie sind krebserregend, beeinträchtigen wahrscheinlich die Fortpflanzung und bauen sich in der Umwelt kaum ab.

Chemie, die keiner in seiner Nähe haben will, schon gar nicht im Naturschutzgebiet.

Im Unterengadin ist aber genau das der Fall. PCB sitzt unter anderem in den Sedimenten des Gebirgsbachs Spöl. Seit 1986 sind PCB in der Schweiz, seit 2001 weltweit verboten. Vollständig zerstört werden sie nur bei über 1000 Grad. Verwendet wurden sie vor allem in elektronischen Bauteilen, Kunststoffen, Dichtungen, Farben und Lacken. Aus diesen können sie noch immer in die Umwelt gelangen.

Eine Baupanne und ihre giftigen Folgen

Genau das ist im Engadin passiert. Bei der Sanierung der Staumauer Punt da Gall am Lago di Livigno gab es 2016 eine Panne. PCB-haltiger Staub aus einer Korrosionsschutzfarbe wurde in grossen Mengen in die Umwelt geblasen. Der Spöl, der bei Zernez in den Inn fliesst, war stark betroffen.

Ob der Spöl schon vorher verschmutzt war, weiss niemand so genau. Die Staumauer wurde 1970 fertiggestellt. PCB könnte seit ihrem Bau in den Fluss gelangt sein. 2013 gab es eine Schlammlawine, bei der sich PCB «möglicherweise» in den Sedimenten abgelagert habe, schrieb die EMPA 2021 in einer Pressemitteilung mit dem Titel «Giftquelle im Idyll».

Das Bündner Amt für Natur und Umwelt gehe davon aus, dass über 80 Prozent des im Bach gefundenen PCB «bereits vorher möglicherweise durch den Betrieb abgerieben» wurde, schrieb «Der Beobachter» bereits 2018 in einer ausführlichen Reportage.

Der Verzehr von Fischen aus dem Spöl jedenfalls ist seit 2017 verboten, im gleichen Jahr wurde das Becken nach der Staumauer aufwendig saniert.

Teilsanierung des Staubeckens reicht nicht

Der Rest des Flusses ist noch immer verschmutzt und muss saniert werden. Darüber, was «Rest» heisst und wer die Kosten tragen soll, ist man sich nicht einig. Strittig ist vor allem, wie viele Kilometer des Spöl saniert werden müssen.

Die Engadiner Kraftwerke (EKW) favorisieren eine Sanierung auf den oberen 2,7 Kilometern des Flusses, bei der das verschmutzte Sediment einen halben Meter tief ausgebaggert und von PCB befreit wird. Die grössere Variante, die der Nationalpark fordert, sieht einen 5,75 Kilometer langen Abschnitt vor.

Bezahlen müssten den Schaden eigentlich die Engadiner Kraftwerke (EKW). Diese sind bereit, die Sanierung vorzufinanzieren, auf den gesamten Kosten von schätzungsweise 18 Millionen Franken (kleinere Variante) wollen sie aber nicht sitzenbleiben.

2021: Ein toter Vogel sorgt für Nachdruck

Im Dezember 2020 platzten die Verhandlungen zwischen dem Nationalpark und den Engadiner Kraftwerken. Im Februar 2021 verfügte der Kanton Graubünden, dass nur die oberen 2,75 Kilometer saniert werden sollen. Es gab mehrere Beschwerden. Beteiligt sind neben den EKW und den Verantwortlichen des Nationalparks auch die Naturschutzorganisationen Aqua Viva, Pro Natura und der WWF.

Im März 2021 reichte der Nationalrat Jon Pult eine Interpellation ein, in der er fragte, bis wann der Schaden saniert sein würde und schrieb eine Kolumne in der «Südostschweiz». Der Bundesrat verwies im Mai 2021 auf die Verantwortung des Kantons Graubünden.

Im Oktober 2021 brachte ein toter Uhu den Spöl und das PCB dann wieder ins öffentliche Bewusstsein. Das Tier, das ein Parkwächter im September 2020 neben dem Spöl gefunden hatte, war mit hohen Mengen des Gifts belastet. Seine Eingeweide enthielten mehr als tausendmal so viel PCB wie bei Wildtieren üblich (Infosperber berichtete).

2022: Alles von vorn

Fast ein Jahr später, im Juni 2022, legten die Beteiligten ein neues Vorgehen fest, berichtete das SRF-Regionaljournal. Man einigte sich auf erneute Probennahmen, um festzustellen, wie stark der Spöl noch verschmutzt ist, um weitere Massnahmen danach abzustimmen. Bis Ende Jahr werde man sich hoffentlich einig.

Die jüngsten Neuigkeiten: Im September wurde der für die Baupanne verantwortliche Bauführer einer von den EKW beauftragten Drittfirma freigesprochen. Das Gericht sah keine ausreichende Beweislast für ein Verschulden des Sanierungsunternehmens.

Passiert oder saniert ist nach wie vor nichts. Im August forderte eine Petition, mit den Sanierungsarbeiten unverzüglich zu beginnen. Simonetta Sommaruga antwortete Ende September und verweist auf die derzeit sistierte Sanierungsverfügung des Kantons. Diese sei gestoppt, solange die Beschwerdeführer ein neues Sanierungskonzept erarbeiteten. Das berichtet der Blog «Heidis Mist», der die Geschehnisse rund um den Spöl seit Jahren beobachtet.

Bis 2028 muss die Sanierung geschehen sein

Ein Ende des Hin und Hers zeichnet sich ab. Zwangsweise, muss man sagen: Bis 2028 müsste der Spöl saniert sein. Das sieht die Stockholmer Vereinbarung über persistente chemische Schadstoffe vor, die die Schweiz 2003 ratifiziert hat.

Die EMPA ist optimistisch. «Besuch lohnt – möglichst bald», schrieb sie letztes Jahr in der oben erwähnten Medienmitteilung. Während der Sanierung werde sich das Flüsschen in eine Riesenbaustelle verwandeln. Anschliessend wird es mehrere Jahre dauern, bis sich der Spöl regeneriert hat – sofern mit der Sanierung je begonnen wird.

Die PCB-Problematik betrifft übrigens nicht nur den Spöl, sondern zum Beispiel auch Gebäude aus den 1960er bis 1980er-Jahren, in denen PCB verbaut wurde. Viele von ihnen werden in den kommenden Jahren abgerissen werden.

Lützerath Unräumbar!

04.01.2023. Die Bagger im Tagebau Garzweiler II stehen direkt vor Lützerath. Seit fast zwei Jahren organisieren Menschen in Lützerath den Widerstand gegen den Abbau von Braunkohle, gegen die Zerstörung unserer Lebensgrundlage. Auf rechtlicher Grundlage gehört das Land auf dem Lützerath steht RWE. Auch die Grünen haben der Zerstörung Lützeraths und damit dem Nicht-Einhalten der 1,5 Grad – Grenze zugestimmt. Aber nicht mit uns!

Rückzug der Gletscher-Initiative für breit abgestütz-ten Gegenvorschlag

05.10.2022. Das Parlament hat in der Herbstsession einen indirekten Gegen-vorschlag zur Gletscher-Initiative verabschiedet. Mit dem Vorschlag ist wirksamer und rascher Klimaschutz in der Schweiz möglich, weshalb das Initiativkomitee die Gletscher-Initiative bedingt zurückzieht.

Die Initiantinnen und Initianten machen den Weg frei für einen Meilenstein in der Klimapolitik. Das vorgelegte Gesetz bringt Klimaschutz, Innovation und Energiesicherheit und geniesst breite Unterstütz-ung von Parlamentarier-innen und Parlamentariern aus FDP, Mitte, GLP, SP und Grünen.

Die SVP hat bereits das Referendum angekündigt. Das überraschte die Initiantinnen und Initianten nicht. Erneut schürt die SVP Panik und Angst in einer Krisensituation, in welcher gemeinsame Lösungen und Verantwortung gefragt sind. «Indem wir die Gletscher-Initiative zugunsten des Gegenvorschlags zurückzie-hen, sorgen wir für einen schnellen Weg zu einer klimaverträglichen Schweiz und nehmen unsere Verantwortung wahr», betont Stefan Engler, Mit-Initiant und Ständerat der Mitte. Er ist zuversichtlich, dass der Gegenvorschlag zur Gletscher-Initiative an der Urne eine Mehrheit finden wird.