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Massive Schäden im Schweizer Wald

23.10.2020

Der Schweizer Wald ist heute so krank wie nie seit 1984. Die wichtigste, aber nicht alleinige Ursache: Das extrem warme und trockene Wetter.

von Hanspeter Guggenbühl

Es war zwischen 1983 und 1986, als die Baumkronen lichter wurden. Einige Forscher befürchteten ein baldiges «grossflächiges Absterben» der Wälder als Folge der damaligen Luftverschmutzung. Der Begriff «Waldsterben» machte jahrelang Schlagzeilen. Doch die negativen Prognosen bewahrheiteten sich nicht. Umstritten blieb dabei, ob die Warnungen vor dem «Waldsterben» auf Übertreibungen und Fehleinschätzungen beruhten. Oder ob veränderte Verhältnisse den Zustand des Waldes ab den Neunzigerjahren – bei jährlichen Schwankungen – wieder stabilisierten.

Trügerischer Bericht

Fest steht: Ab Ende der Achtzigerjahre verminderte sich die Luftverschmutzung. Strenge Abgasnormen und Filtertechniken senkten insbesondere den Ausstoss von Schwefeldioxid, Stickoxiden, Kohlenwasserstoffen sowie die Bildung von Ozon. Schlagzeilen machten fortan vor allem Extremereignisse wie etwa der Wintersturm Lothar kurz vor der Jahrtausendwende oder periodischer Borkenkäfer-Befall bei Fichten.

Im Juni 2020 schrieben die Eidgenössische Forschungsanstalt für Schnee, Wald und Landschaft (WSL) und das Bundesamt für Umwelt in einer gemeinsamen Medienmitteilung, der «Schweizer Wald ist generell in gutem Zustand aber wegen Klimawandel unter Druck». Dabei stützten sie sich auf das gleichzeitig veröffentlichte vierte Landesforstinventar, das die Situation im Zeitraum von 2009 bis 2017 erfasste. Doch inzwischen ist alles wieder anders.

Sommer 2018 leitete Wende ein

Im Gefolge der extremen Trockenheit während der Vegetationsperiode im Jahr 2018 waren die Waldschäden im Jahr 2019 in der Schweiz so gross wie nie seit der Trockenperiode kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Allerdings bestehen je nach Region, regionalem Witterungsverlauf, unterschiedlicher Bodenbeschaffenheit und unterschiedlichem Stickstoffeintrag an verschiedenen Standorten (verursacht durch Überdüngung und Verkehr) beträchtliche Abweichungen vom Durchschnitt und vom allgemeinen Trend. Das zeigen die neusten Studien über die Entwicklung der Waldschäden in der Schweiz, welche die «Schweizerische Zeitschrift für Forstwesen» kürzlich veröffentlichte.

Darin schreiben die WSL-Forscher Andreas Rigling und Manfred Stähli unter dem Titel «Erkenntnisse aus der Trockenheit 2018 für die zukünftige Waldentwicklung»: «Die extreme Hitze und Trockenheit hinterliess schon während des Sommers 2018 deutlich sichtbare Spuren an vielen Baumarten – speziell auffallend und stark ausgeprägt waren frühzeitiger Laubfall, Rindenrisse und absterbende Kronenteile an der Buche. Die Borkenkäferschäden an der Fichte verdoppelten sich im Vergleich zum Vorjahr. Aussergewöhnlich war nicht die Art der Schäden, sondern ihr Ausmass, das in dieser Art in den letzten Jahrzehnten nie beobachtet worden war.»

Schäden heute grösser denn je

Langfristig besonders aussagekräftig sind die Erhebungen des Institutes für Angewandte Pflanzenbiologie (IAP). So untersucht das IAP seit 1984 im Auftrag von mehreren Kantonen die Waldbestände im Schweizer Mittelland; dies heute auf insgesamt 185 Flächen mit rund 14 000 Bäumen. Als Beispiel zeigt die nebenstehende Grafik des IAP, wie sich die Anteile der stark verlichteten Baumkronen der Schweizer Buchen von 1984 bis ins aktuelle Jahr entwickelten.

Bei diesem Inventar des IAP fällt auf: Nach Jahrzehnten mit jährlichen Schwankungen auf tiefem Niveau hat sich der Anteil der stark verlichteten Baumkronen der Buchen im Jahr 2019 verdreifacht und blieb 2020 auf hohem Niveau. Ähnlich verlief die Entwicklung auch bei den Fichten. Die Lage ist heute also rund dreimal schlimmer als in den Achtzigerjahren, als die Warnung vor dem «Waldsterben» die Umweltdebatte prägte.

Mortalität der Buchen viel höher

Die Auswahl dieser Resultate ist aus zwei Gründen relevant: Buchen und Fichten sind heute (mit einem Anteil von mehr als der Hälfte) die am meisten verbreiteten Bäume im Schweizer Wald. Und Bäume mit mehr als 60 Prozent Blatt- und Nadelverlust (im Vergleich zu einem voll belaubten oder benadelten Baum) gelten als schwer geschädigt; sie erholen sich kaum mehr, selbst wenn trockenen Perioden eine regenreiche folgt. Als Folge davon dürften in den nächsten Jahren auch mehr Bäume absterben als in früheren Jahren.

Sabine Braun, langjährige Leiterin des IAP, kommentiert und differenziert die neusten Resultate aus der 35-jährigen Beobachtungszeit mit folgenden Worten: «In einigen Flächen waren bis zu 41 Prozent der Buchen mit mehr als 60 Prozent verlichtet. Die Buchenmortalität war 2019 und 2020 um das Vier- bis Fünffache erhöht. Auf Flächen mit mangelhafter Phosphorversorgung – unter anderem eine Folge hoher Stickstoffeinträge – war die Erhöhung noch deutlich stärker.» Bei den Fichten stieg die Mortalität durch Buchdruckerbefall laut Braun bis zum Herbst 2019 auf einen Rekordwert von 4,9 Prozent und lag damit um ein Vielfaches höher als nach dem Hitzesommer 2003. «Das ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass die Schäden 2019 nicht allein die Folge der extremen Trockenheit 2018, sondern vielmehr das Ergebnis mehrerer vorangegangener Trockenjahre waren.» Auch hier seien die Schäden bei hoher Stickstoffbelastung durch die Luft deutlich höher.

Klimawandel prägt Wald-Zukunft

Der aktuell negative Befund über den Schweizer Wald, so lehrt der Blick zurück, kann sich wieder verbessern. Zum Beispiel dann, wenn den warmen und trockenen Jahren ab 2015 wieder eine mehrjährige Periode mit kühleren Temperaturen und unterdurchschnittlichen Temperaturen folgen sollte. Doch diese Hoffnung ist relativ gering, wenn man die starke Häufung von extrem heissen und extrem trockenen Jahren sowie die Szenarien für die künftige Entwicklung des Klimas in der Schweiz betrachtet.

So folgern die Forscher Rigling und Stähli in ihrem schon eingangs zitierten Bericht: «Wir müssen davon ausgehen, dass das kombinierte Auftreten von Trockenheit, Stürmen, Krankheiten und Schädlingen innert kurzer Zeit ganze Landschaften massiv verändern kann und unter anderem auch das Paradigma der stabilen Buchenmischwälder infrage stellt.»

JA zur KoVI am 29.11.

Die Konzernverantwor-tungsinitiative fordert eine Selbstverständlichkeit: Wenn Konzerne wie Glencore Flüsse vergiften oder ganze Land-striche zerstören, dann sollen sie auch dafür haften!

Die Konzernlobby versucht mit einer millionenschweren Kampagne von den Machen-schaften von Glencore abzulenken und die Stimm-bevölkerung zu verunsichern.

Die breite Unterstützung der Initiative von bürgerlichen Politiker/-innen, Unterneh-mer/-innen, der Kirche und der Zivilgesellschaft stimmt mich aber optimistisch.

Ich bin Ihnen sehr dankbar für Ihre Unterstützung mit einem JA zur Konzernverant-wortungsinitiative am 29. November!

Dick Marty, Co-Präsident Initiativkomitee

«Der Konzern-Report»

Der Film lässt Menschen auf zwei Kontinenten zu Wort kommen, die durch Konzerne mit Sitz in der Schweiz geschädigt werden. Dick Marty und weitere Stimmen aus dem In- und Ausland erklären, warum sie klare Regeln verlangen, damit Konzerne wie Glencore für Verfehlungen geradestehen müssen.

NEIN zum Jagdgesetz

Die Stimmbevölkerung hat am 27. September das missratene Jagdgesetz abgelehnt. Pro Natura freut sich zusammen mit den anderen Umweltverbänden über dieses klare Bekenntnis zum Naturschutz.